Systemzentrale Fiege
Adresse Joan-Joseph-Fiege-Straße 1
48268 Greven
Nutzung Systemzentrale eines Logistikunternehmens
Architekt Prof. Josef P. Kleihues mit Norbert Hensel und Michael Alshut (Projektleiter)
Bauherr Fiege Engineering
Joan-Joseph-Fiege-Straße 1
48268 Greven
Baubeginn Juni 1998
Fertigstellung September 1999
BGF 5.527 m²
Baukosten 7,16 Mio. €
Architekten theoretisieren auf vielen Feldern: auf denen der Ökonomie, der Ökologie, der Philosophie, sogar auf dem Gebiet der Politik. Das Theoretisieren über Architektur, sei es in Form von Kritiken, in Form von bauhistorischen Betrachtungen oder architekturtheoretischen Setzungen, ist unverzichtbar.
Ich aber spreche von der Theorie, die jeder Mensch in der einen oder anderen Form für sich zu entwickeln hat, um sein Leben meistern zu können. Ich meine, daß man sich als Architekt möglichst früh orientieren und um eine theoretische Grundlage der eigenen Arbeit bemühen sollte, die es im Laufe des Lebens immer genauer zu formulieren gilt. Es geht dabei um die Erarbeitung eines theoretischen Fundamentes für die Entwurfsarbeit, das sowohl politische, philosophische, ethische und natürlich auch künstlerische Ansprüche einschließt. Theoretisch orientiert sein heißt für mich, eine philosophische Grundlage für die eigene Arbeit zu finden und weiter zu entwickeln.
Das andere ist die konkrete Aufgabe, die auf den Architekten zukommt. Diese Aufgabe besteht in der Regel aus einem Raumprogramm, nicht im Sinne von Höhe mal Breite mal Tiefe, sondern als Sinngebung, als klar und deutlich formulierte Ziel- und Zweckvorstellung. Zu diesem Programm gehören auch der Ort, an dem und die Zeit, in der gebaut und geplant wird.
Als Architekt wird man also zunächst mit der jeweils neuen Aufgabe und dem neuen Ort, an dem man zu arbeiten hat, konfrontiert. Die theoretische Grundlage ist das eine, die Aufgabe und der Ort kommen hinzu. Das Gemeinsame, das Charakteristische meiner Arbeiten resultiert aus der einmal erarbeiteten theoretischen Grundlage; die Individualität der einzelnen Entwürfe jedoch aus dem Programm, also der Sinngebung einer Aufgabe, und aus dem Ort, an dem sie realisiert werden soll. Es gilt, den Genuis loci, den spirit of the city zu ergründen und danach die Architektur zu entwickeln, welche dem jeweiligen Ort und der jeweiligen Aufgabe entspricht.
Ich denke, daß die Firmenzentrale des Logistikunternehmens Fiege der
gebaute Beweis dieser Strategie ist:
- Der spezifische Charakter des Gebäudes, entspricht ganz der Philosophie
einer rationalen Architektur.
- Die Individualität des Gebäudes aber resultiert aus dem uns übergebenen
Programm und aus unserem Respekt gegenüber der westfälischen Landschaft,
u.a. der Tradition des Bauens mit Ziegeln, welche für Westfalen typisch ist.
Ein anderer Aspekt, der wiederum mit diesem Gebäude viel zu tun hat,
betrifft das konstruktive Detail. Für uns hat das Detail etwas zu tun
mit dem Respekt vor handwerklicher und auch industrieller Fertigung, also
mit der Suche nach einer Verbindung von entwurflicher Kreativität,
Handwerk und Industrie.
Diesen Respekt drücken wir durch eine Architektur aus, die die erbrachte
Leistung sichtbar werden läßt.
Ich denke, daß beide Aspekte, die theoretische Grundlage unserer Arbeit und die Vorliebe für das gute Detail, bei diesem bewußt einfach konzipierten Gebäude erlebbar bleiben. Es ist ein Gebäude, welches unserer Vorstellung von einem poetischen Rationalismus entspricht.
Josef P. Kleihues