Haus Sommer, Pariser Platz, Berlin
Adresse Pariser Platz 1, Berlin-Mitte
Nutzung Bürogebäude mit Repräsentations-, Verwaltungs- und Ausstellungsbereichen
Architekt Prof. Josef P. Kleihues mit Norbert Hensel
Bauherr Rheinische Hypothekenbank
Planungsbeginn 1993
Realisierung 1995 bis 1998
Baukosten 7,7 Mio. €
Bruttogeschossfläche 1975 m²
Haus Liebermann, Pariser Platz, Berlin
Adresse Pariser Platz 7, Berlin-Mitte
Nutzung Bürogebäude mit Repräsentations-, Verwaltungs- und Ausstellungsbereichen
Architekt Prof. Josef P. Kleihues und Norbert Hensel
Bauherr Harald-Quandt-Grundbesitz KG
Planungsbeginn 1992
Realisierung 1996 bis 1999
Baukosten 7,7 Mio. €
Bruttogeschossfläche 2030 m²
Kurzbeschreibung
Die berühmte Lindenrolle und eine Vielzahl von Stichen und Lithographien erinnern uns daran, daß es ursprünglich zwei bescheidenen Barockhäuser vergönnt war, das Brandenburger Tor zu rahmen. Zwei Gebäude mit Walmdach, welche August Stüler in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts aufstocken und dem Zeitgeist gemäß mit spätklassizistischem Habitus versehen durfte: sorgsam darauf bedacht, das Hauptgesims des Tores nicht zu überragen.
Zwei Häuser an einem Platz, der wie kein anderer an die Zeit der Aufklärung und des Humanismus erinnert, aber auch ein Ort, der die Fahnen und Stiefel der Diktatur und schließlich die Zerstörung durch den Zweiten Weltkrieg erleiden musste. Das für Jahre seines Platzraumes beraubte, einsam im leer geräumten Feld auf der Grenze zwischen Ost und West stehende Tor sollte so Symbol der Teilung und schließlich der wiedervereinten Stadt werden.
Der Wiederaufbau eines für so verschiedenartige Ereignisse symbolhaften Ortes legt es nahe, diese wechselvolle Geschichte kritisch zu erinnern.
Die Forderung nach Rekonstruktion des Pariser Platzes auf dem alten Stadtgrundriss und die Wiederherstellung des zerstörten Platzraumes wurde als dezidierte Forderung des Senats erst proklamiert als die Entwürfe für die Häuser Liebermann und Sommer bereits vorlagen. Wenn man an die Geschichte dieses Platzraumes erinnert, so sollte man in Bezug auf seine Zukunft wünschen dürfen, dass er etwas von seiner verlorenen Unschuld zurückgewinnt. Der Pariser Platz war immer etwas Besonderes, und die Atmosphäre des Pariser Platzes wiederzugewinnen und ihm etwas von seiner ursprünglichen Würde zurückzugeben, war kein leichtes Vorhaben. Es waren im übrigen meist strenge Regeln, denen die europäische Stadt ihre über Jahrhunderte gewachsene Einzigartigkeit und Qualität verdankt. Hieran sollte man erinnern, wenn die Regeln für den Wiederaufbau des Pariser Platzes diskutiert werden, welche das Berliner Abgeordnetenhaus im Frühjahr 1995 beschlossen hat.
Diese Regeln sollte man als das akzeptieren, was sie sind: nämlich Herausforderung für eine ebenso kritische wie kreative Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem zerstörten Bild dieses Ortes.
Bei den Häusern Liebermann und Sommer ging es zunächst um die Analyse der Geometrie wie auch der formalen Details beider Häuser, mit dem Ziel, einer architektonischen Transformation die Chance zu geben, also einer neuen, autonomen Architektur, welche Geschichte und geschichtliche Bilder reflektiert, um so den Charakter des Vergangenen durch eine neue Individualität zu ersetzen. Beide Häuser haben einen Fassadenmantel aus portugiesischem Sandstein erhalten.
Dieser als besonders fest und widerstandsfähig empfohlene Stein wurde vor allem wegen seines hellen, im Sonnenlicht fast weiß leuchtenden Farbtones gewählt. Licht und Schatten der dreidimensionalen, streng geometrisch konzipierten Fassaden bringt dieser Stein besonders gut zum Ausdruck.
Beide Häuser werden von Banken genutzt. Die Bankgesellschaft Berlin wird das Haus Liebermann mit Konferenzen, Vorträgen, Tagungen und gelegentlichen Kunstausstellungen beleben. Im Haus Sommer werden die Commerzbank und die Rheinische Hypothekenbank vergleichbare Aktivitäten entwickeln. Diese sehr dankenswerten Nutzungsziele weisen darauf hin, dass es nicht um die Fokussierung auf Bankgeschäfte geht, sondern um anspruchsvolle Einrichtungen: offen für kultur- und gesellschaftspolitische Themen und Gespräche.