Realisierungswettbewerb “Ausbau Flughafen Frankfurt“

Adresse Flughafen Frankfurt am Main
Nutzung Erweiterung des Flughafens Frankfurt um das Terminal 3, mit 75 Flugzeugpositionen für 25 Mio. PAX/Jahr
Architekt Jan Kleihues
Bauherr Fraport AG
Wettbewerb 2001
2002, 1. Stufe, Ankauf
2005, 2. Stufe, 5. Rang
Bruttogeschossfläche Piergebäude 292.900 m², Gesamt 475.700 m²
Bruttorauminhalt Piergebäude 1.957.965 m³, Gesamt 3.338.765 m³
Baukosten 880.000.000 Mio. €

1. Wettbewerbsstufe

Mit der Erweiterung der Cargo City Süd, der Werft, den Speditionsflächen, dem Catering etc., sowie dem Neubau des Terminal 3 auf dem Gelände der ehemaligen amerikanischen "Air Base", besteht die Chance einer städtebaulichen Neuordnung des Flughafens. Wir begreifen den Flughafen nicht als einzelnes Gebäude oder eine Ansammlung von verschiedenen Funktionen, sondern als eine Flughafenstadt. Die verschieden Quartiere sind klar definierte Bereiche, die im Zusammenspiel eine funktionale Einheit bilden. Der Terminal mit seinen ausladenden Piers ist der kraftvoll laufende Motor dieser Stadt.

Das Terminal entwickelt sich als wirtschaftlicher Doppelkamm mit einer klaren Gliederung nach Funktionen. Der Weg von den unbeschränkt zugängigen Bereichen bis zum Sitzplatz im Flugzeug ist der Hierarchie von Öffentlich zu Privat gleichzusetzen und führt von der Haupthalle über den „Marktplatz“, das „Rückgrat“, die „Piers“ die „Fluggastbrücken“zu den beweglichen „Fingern“ der Andockstationen der Flugzeuge.

Die einzelnen Gebäudefunktionen erfahren eine Gliederung durch subtile Akzentuierung differenzierter Fassadenraster, durch unterschiedliche Konstruktionsprinzipien und Materialitäten. Dies schafft die räumlichen Qualitäten, die für eine leichte Orientierung und Widererkennung innerhalb eines Gebäude von solcher Dimension von besonderer Bedeutung sind.

Ein wesentlicher Faktor für die Flexibilität des Terminals sind die Swing-Gates, die wahlweise von Schengen und NonSchengen Passagieren genutzt werden können.

Das Tragwerk des Hallendachs besteht aus einem Raster aus Dreigurtbindern, in dessen Feldern sich Membranstrukturen und Raumtragwerke abwechseln. Über die gesamte Länge des Piers erstreckt sich ein flaches Tonnengewölbe mit einer Spannweite von 16,20m. Das Tragwerk des Rückgrats ist als zweischiffige Gewölbekonstruktion angelegt.

Die Errichtung des Terminal 3 ist in drei Bauabschnitten vorgesehen. Durch Modulare Bauweise kann jeder Bauabschnitt einfach realisiert werden.

2. Wettbewerbsstufe

Ausgehend von dem funktional ausgearbeiteten Systemkonzept der 1. Wettbewerbsstufe haben wir einen klaren Kubus für die große zentrale Haupthalle, sowie autonome Baukörper für die Piergebäude herausgelöst.

Das 250 x 250 m große Terminalgebäude besteht aus einem mehrgeschossigen Stahlbetonsockel mit einem Konstruktionsraster von 12 x 12 m und einem Stahldach mit einem Raster von 24 x 24 m. Die quadratische, scheinbar schwebende Dachscheibe lagert auf schlanken, eingespannten Stahlbetonverbundstützen im analogen Achsraster. Es ergeben sich 10 x 10 modular aneinander gefügte Dachfelder. Die einzelnen Dachfelder sind als flacher Trägerrost konstruiert, dessen Trägerabstände dem Kräfteverlauf folgend zur Feldmitte anwachsen. Die große Dachfläche wird durch die gedehnten und gestauchten Deckenfelder gleichmäßig rhythmisiert. Diese Struktur der Dachgeometrie wird in die Fassade übertragen. Dach und Fassade umschließen alle öffentlichen Passagierbereiche. In die gläserne Halle sind Einbauten als Objekte eingestellt, die die Wirkung und Großzügigkeit des Raumes ablesbar machen. Die Autovorfahrt für den Bereich Abflug durchdringt den Kubus, so dass ein großzügiges 20 Dachmodule umfassendes Vordach entsteht. Das Hauptgebäude teilt sich in die Ebenen: E1 die unterste entspricht der Ebene des Flugfeldes und beinhaltet die Gepäckverteilung, E2 (+5,25 m) ist die Ankunftsebene, E3 (+ 9,1 m) ist die Gateebene für Ankunft- und Abflug der Schengen Passagiere mit Restaurants, Bars und Geschäften, E4 (+ 13,75 m) ist die Abflugebene Nicht-Schengen mit Ticketschalter, Check-In, Passkontrolle, Sicherheitskontrolle und Restaurants, Bars und Geschäften, darüber bei + 17,5 m befinden sich, als frei in der Halle stehenden Blöcke und Inseln, weitere Restaurants, Loungebereiche und Airline Offices.

Diese Funktionen der Ebenen setzten sich in den Piergebäuden fort. Bei den 350 bis 620 m langen Gebäuden stellt sich das Thema von Reihung und Abschluss wie von selbst. Die Ordnung der Fassaden ist auf einem Stützenraster von 8,1 m aufgebaut. Die über die beiden unteren Ebenen auskragende Abflugebene erhält eine geschosshohe Verglasung, die anderen Teile der Fassade sind mit Betonpanelen und kleineren Fensteranteilen versehen. Mit der Ausbildung von Halbkreissegmenten an den Enden der Piers wird eine abgeschlossene Gebäudefigur geschaffen, die sich geometrisch klar vom Hauptgebäude absetzt. Die Gestaltung der Brückenbauwerke, die vom Pier zum Hauptgebäude überleiten, ist architektonisch zurückhaltender als die der beiden Großformen, sie sind als helle schlichte Verbindungselemente konzipiert.